SPD kritisiert Grundsteuerreform der CDU-gefĂŒhrten Landesregierung scharf
(27.08.24 / Fraktion)Die SPD-Stadtratsfraktion Dormagen Ă€uĂert erhebliche Bedenken hinsichtlich der Umsetzung der Grundsteuerreform durch die CDU-gefĂŒhrte Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Insbesondere der Vorschlag, unterschiedliche HebesĂ€tze fĂŒr Wohnbebauung und Gewerbebauten einzufĂŒhren, stöĂt auf scharfe Kritik.
âDie Landesregierung schiebt mit dieser Reform eine Mehrbelastung fĂŒr viele Menschen in Dormagen an, die ohnehin schon unter steigenden Lebenshaltungskosten leidenâ, erklĂ€rt Michael Dries, Fraktionsvorsitzender der SPD im Stadtrat Dormagen. âAnstatt eine gerechte und verfassungskonforme Lösung zu finden, wird hier ein Modell vorangetrieben, dessen rechtliche Grundlage unsicher ist und das vor allem diejenigen trifft, die in ihrem Eigenheim leben oder zur Miete wohnen.â
Die SPD-Fraktion warnt, dass die von der Landesregierung vorgeschlagenen unterschiedlichen HebesĂ€tze dazu fĂŒhren könnten, dass Wohnimmobilien im Vergleich zu Gewerbeimmobilien stĂ€rker belastet werden. Dies wĂŒrde in vielen FĂ€llen zu einer spĂŒrbaren Erhöhung der Grundsteuer fĂŒhren, die dann hĂ€ufig auf die Mieter umgelegt wird. Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) hat bereits Bedenken hinsichtlich der VerfassungskonformitĂ€t des Modells geĂ€uĂert und fordert eine Ăberarbeitung.
âEs ist nicht akzeptabel, dass die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger von Dormagen die Kosten einer verfehlten Steuerpolitik tragen sollenâ, so Dries weiter. âWir fordern die Landesregierung auf, von diesen PlĂ€nen abzurĂŒcken und ein gerechtes, einfaches und rechtlich einwandfreies Modell zu entwickeln, das die Interessen der Menschen in unserer Stadt respektiert.â Die SPD-Stadtratsfraktion setzt sich fĂŒr eine Grundsteuer ein, die sozial ausgewogen ist und keine zusĂ€tzlichen Belastungen fĂŒr Eigenheimbesitzer und Mieter schafft.
Mit der bisherigen unumgĂ€nglichen Erhöhung liegt Dormagen mit 595 Prozentpunkten ziemlich genau auf dem Durchschnittswert in NRW (594 Prozentpunkte). Doch jetzt hat die CDU-gefĂŒhrte Landesregierung nach bisheriger Berechnung sogar eine Erhöhung der HebesĂ€tze fĂŒr Dormagen auf 615 Prozentpunkte vorgeschlagen, um finanzielle Nachteile fĂŒr die Stadt zu vermeiden. Da Musterrechnungen der Landesregierung aber fehlerhaft waren, werden diese derzeit aktualisiert.
Der SPD-Stadtverbandsvorsitzende Carsten MĂŒller betont: âDer stellvertretende Stadtverbandsvorsitzende der CDU Wilhelm Deitermann hatte bereits in 2022 erklĂ€rt, `Die Neuberechnungen werden in Dormagen ohne Anpassung der HebesĂ€tze zu massiven Erhöhungen der Grundsteuer fĂŒhren.` Jetzt hat die CDU-gefĂŒhrte Landesregierung sogar eine Erhöhung der HebesĂ€tze fĂŒr Dormagen vorgeschlagen, damit fĂŒr die Stadt keine finanziellen Nachteile entstehen. So werden die Menschen in Dormagen die Leidtragenden einer verfehlten Landespolitik. Zum wiederholtem Male bĂŒrdet die aktuelle Landesregierungen den Kommunen in NRW mehr auf, anstatt sie endlich zu unterstĂŒtzen. Ein erster Schritt wĂ€re die vom StĂ€dte - und Gemeindebund NRW geforderte Anhebung des Verbundsatzes, also des Anteils der Kommunen am Steueraufkommen, von 23 auf 25 Prozent.â Michael Dries ergĂ€nzt: âDie Alternative unterschiedlicher HebesĂ€tze fĂŒr Wohnbebauung und Nicht-Wohnbebauung steht nicht nur in der Kritik der Industrie- und Handelskammer, sondern auf rechtlich tönernen FĂŒĂen. Auch wenn der Vorschlag vom Bund kommt, ist es tragisch, dass erst jetzt ein Rechtsgutachten durch die Landesregierung erfolgt. Niedersachsen, Bayern, Hessen, Hamburg und Baden-WĂŒrttemberg haben eigene Wege gefunden. Das hat NRW versĂ€umt. Dass jetzt auch noch bis mindestens September eine wichtige Datengrundlage fehlt, um einen Entwurf der Haushaltssatzung erstellen zu können, erhöht den Aufwand in den Kommunen ungemein.â
Eine Senkung der HebesĂ€tze sei in NRW derzeit fĂŒr keine Kommune finanziell tragbar. Dries erinnert daran, dass die von der Landesregierung 2023 groĂ angekĂŒndigte Entlastung der Kommunen von Altschulden scharfe Kritik nach sich zog, auch von der Dormagener SPD-Fraktion. Darauf hat sich der Landtagsabgeordnete Simon Rock im Juli 2023 genötigt gefĂŒhlt, diese Kritik polemisch als "taktische Zweifel" zu bezeichnen, kurz bevor die Landesregierung ihren eigenen Vorschlag selbst wieder zurĂŒckgezogen hat.
âEs bleibt abzuwarten, wie sich die in diesem Jahr beschlossenen Eckpunkte fĂŒr einen neuen Anlauf von Schwarz-GrĂŒn auswirken. Aktuell zweifle ich noch, aber nicht aus taktischen GrĂŒnden, sondern aus faktischen.â schlieĂt Michael Dries.